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Theater

Der Samstag Abend rückte näher, wir machten per SMS aus, dass wir uns direkt in der Nähe des Theaters treffen wollten. Wie geheißen, waren wir beide weit vor Vorstellungsbeginn vor Ort und schlenderten los. Er erzählte mir von seinem Freitagabend, er war mit seinem Mitbewohner in einer Bar, weit entfernt von ihrer Wohnung, ihm ging es kurz darauf nicht sonderlich gut, er wollte heim, aber sein Mitbewohner nicht. Kurzentschlossen orderte er sich ein Taxi und fuhr dann mit einer lustigen Truppe, die er beim Warten kennengelernt hatte, heim. Ihm ging es an dem Abend bedeutend besser, antwortete er auf meine erhobenen Zweifel, ob dann Theater die beste Abendplanung für ihn sei.

Zwischenzeitlich sind wir angekommen, suchten den Eingang und zahlten an der Abendkasse. Wir nahmen Platz und tranken noch etwas, er lud mich auf eine Cola ein, es war etwas komisch, da wir den Altersdurchschnitt augenscheinlich senkten, unsere Blicke kreisten immer wieder durch den Raum, der sich so langsam füllte. Bald waren genug Zuschauer gekommen, wir wurden zur Bühne geführt und durften uns setzen. Das Theater konnte beginnen.

Beim Improvisationstheater kommt es auf Spontanität an, wir als Zuschauer durften unser kreatives Geschick auch immer wieder unter Beweis stellen. Die Schauspieler holten sich in ihrer Funktion als Regisseure neben Hinweisen und Tipps, was gespielt werden soll, auch Darsteller aus dem Publikum. Ein packender Moment als nach vielen Lachern alles verdunkelt wird, ein neuer Regisseur sein Glück versuchen möchte und Freiwillige einlädt, sich zur Verfügung zu stellen. Das Publikum zögerte, keiner hob seine Hand. Der Regisseur schritt zwischen uns auf und ab, noch einmal, dann war meine Hand in der Höhe.

Er jonglierte einmal um die Menge herum, der Spot verfolgte ihn, er verfolgte den Spot, dann sind sie beide an unsere Sitze gelangt. Erst das große Hallo, einmal auf die Bühne gebeten, pure Freizügigkeit über die eigenen Informationen und dann wurde geklärt, was gemacht werden soll: Mein erster Kuss sollte nachgespielt werden.

Eine peinliche Stille traf mich, der Regisseur war drei Sätze weiter und wollte alle Einzelheiten aus mir herauskitzeln, wann, wo und mit wem, ich zögerte, zögerte aus dem Grund, dass ich mit der Wahrheit auch ein Bühnenouting anstrebte. Falls ich mich nicht mehr erinnere, solle ich einfach etwas ausdenken, war mein Wortgeber schon wieder weiter als ich. Dann hielt mich nichts mehr zurück, ich musste einmal lachen, sagte dann den Vornamen von dem Mann mit dem ich meinen ersten Kuss erlebte. Nun war das Lachen auf meiner Seite, denn der Regisseur hatte mit solch einer Wahrheit wohl nicht gerechnet und war recht erstaunt. Gut, wer von den Schauspielern könne ihn und mich am besten wiedergeben. Nach einigem hin und her spielte die Gruppe meinen ersten Kuss nach, ich konnte durch zwei Musikinstrumente Zustimmung oder Ablehnung geben, damit sich das Stück in die richtige Richtung entwickelt.

Am Ende war es zwar nicht wie in der Wirklichkeit, aber ein bisschen kam es schon hin. Nach einem großen, langen Applaus durfte ich mich setzen. Er, mein Begleiter, saß neben mir, senkte den Kopf und meinte, dass das mutig gewesen sei. Er wüsste nicht, ob er so ehrlich gewesen wäre. Das Theaterensemble ließ die Zuschauer noch über das beste Stück abstimmen, mein erster Kuss gewann beim Publikum, so dass ich am Ende nochmal auf die Bühne gebeten wurde und mit dem Regisseur ein paar Verbeugungen vor den anwesenden Leuten zu machen.

Als wir aus dem Theater kamen, gingen wir konsequent und schnell zur Haltestelle. Mit der ersten Gelegenheit fuhren wir weiter, verabschiedeten uns voneinander, er gratulierte mir nochmal zu meinem Mut und im Hintergrund sah ich so manchen Zuschauer, der fleißig am überlegen war, ob zwischen meiner Begleitung und mir ein näheres Verhältnis besteht.
1.4.08 01:34
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ani / Website (1.4.08 07:24)
O *freufreufreu* Endlich mal wieder was zum Lesen von dir. Ich hoffe, es folgt bald wieder mehr. Ist dieser Theaterbesuch jetzt schon lange her?! Oder war der erst?!
Finde ich übrigens auch mutig. Sehr sogar!!!
Und wie ist denn der aktuelle Stand zwischen euch?!
Grüsse und eine gute Woche


seelen.wunden / Website (4.4.08 09:10)
Ich finde dich auch sehr mutig.
Ich glaube, die Ängste, dass man so wie man ist nicht angenommen wird, sind oft unbegründet, wie man sieht ...

Klingt interessant so ein Improvisationstheater. Hatte ich vorher noch nie gehört.


Claire / Website (11.8.08 19:24)
Wow, beeindruckend. Die meisten wären da wahrscheinlich erstmal rot angelaufen und hätten sich dann irgendwas ausgedacht... Respekt! Ins Impro-Theater will ich auch schon länger, aber bei mir in der Nähe gibt's sowas leider nicht.
LG Claire

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