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Warum?

Manchmal frage ich mich, was ich für ein Leben führe. Zwischen zigtausend Stühlen sich zu befinden, nicht sicher zu sein die richtige Wahl getroffen zu haben, vor sich hin zu leben, lernen, immer im Stress.

Umso erstaunlicher und faszinierender sind die Wendungen im Leben, die Momente, die das Gefühl auferstehen lassen, dass man doch auf dem richtigen Weg ist, das eigene Herz möglicherweise um einiges höher schlägt als sonst. Dies möchte ich hier festhalten. Ich möchte schreiben, wen ich mag, sehr gern mag, meine Gedanken, Gefühle und Träume festhalten, für mich, für euch, vielleicht irgendwann den Moment von Verknalltheit spüren, eine Dokumentation eigener Lebensabschnitte. Abschnitte meines Lebens, die seit ein paar Tagen neue Brisanz besitzen.

Und vielleicht ist es deshalb auch für dich interessant, spannend genug den Erzählungen eines Jungschwulen zu lauschen.

23.12.07 21:50


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Er

Mit dem Beginn meines Studiums kam der Auszug, weg von meinen Eltern. Frei leben, der Nase nach handeln und sich weniger rechtfertigen müssen. Mein Studienort ist nicht sonderlich klein, aber auch nicht phänomenal groß, ein normales Maß.

In diesem Ort haben sich neben mir noch ein paar andere eingefunden, die man auf den ersten Parties kennenlernte, weniger lernte man schätzen und so manch einen hat man nach den ersten Monaten Studium lieb gewonnen. Man sieht Potenzial in einer Freundschaft und versucht sich zu arrangieren. Manche Person weiß, dass ich schwul bin. Sagen wir es so, es wissen genug Menschen. Grundsätzlich macht mir dies nichts aus. Grundsätzlich, wie gesagt.

Kontakte knüpft man über das Studium wunderbar. Zwar vorerst im eigenen Semester, mit der Zeit wird es mehr. Schließlich gibt es genug Vorlesungen, Seminare und Praktika, wo immer wieder ein neues Gesicht auftaucht. So auch sein Gesicht. In einem kleineren Seminar saßen wir mehrfach nebeneinander, sahen uns an, lachten miteinander, lachten übereinander. So lernte ich ihn kennen. Nur im Seminar. Man sah sich darüber hinaus noch öfter im Unileben.

Niedlich, nett und süß ist er. So nett und süß, dass man immer wieder an ihn denken kann. Für jeden Schwulen stellt sich dann die Frage, ob der Mensch gegenüber ähnlich denkt, möglicherweise schwul ist. Mit jedem Seminar wurde ich unsicherer, spätestens dann, als das Thema mal auf Sex und Beziehung fiel. Da stellte sich Ernüchterung in mir ein. Er ging nicht konkret auf mich ein, aber ich hakte es ab.

Bis vor ein paar Tagen. Durch Zufälle befanden wir uns auf der selben Party. Wir tranken etwas, jeder trank eigentlich. Zum Ende des Jahres und nahenden Ferien eine wohl übliche Sache. Nach einer gewissen Zeit war ich recht angetrunken. Es wurde die Möglichkeit angeboten Singstar zu spielen. In der zweiten Runde standen wir am Mikro und gingen die Lieder durch, hielten bei Maroon 5 mit "This Love" an. Wir sangen, wenig gut, aber dafür beide enthusiastisch. Die folgenden Lieder besang ich mit Freunden und dachte nicht wirklich über das erste Duell nach.

Nach so manch einem Gespräch, fand ich mich mit einer Freundin auf dem Flur wieder, wir unterhielten uns. Sie weiß von mir, weiß, dass ich auf ihn stehe, wir sprechen über unrelevante Inhalte. Bis er kam. Seine Worte, die er von sich gab, trafen uns beide: "Weißt du, ich denke mir schon länger, dass du schwul bist und ich wollte dir nur sagen, dass ich es auch bin."

Gesagt, getan. Mit diesen Worten verschwand er wieder in der Küche, wo sich noch so manch eine Person befand. Meine Freundin und ich sahen uns an, gingen in ein leeres Zimmer und fragten uns gegenseitig, ob das eben wirklich passiert sei. Es war wohl so. Er ist schwul. Er steht auf Männer. Und das ist so wunderschön.

23.12.07 22:14


Die Nacht

Im weiteren Verlauf des Abends unterhielten wir uns ausführlicher. Zunächst noch auf der Party in einem leeren Zimmer. An unser beider Studienort ist er nicht geoutet. Zuhause allerdings schon. Zwischendurch wurden wir gestört, andere Partybesucher kamen zu uns und klinkten sich zum Teil ein. Deshalb nahm die Brisanz unseres Gesprächs erstmal ab. Sehr stark nahm sie sogar ab, aber das ist nicht schlimm.

Es wurde später, wir brachen allesamt auf, um uns in irgendeiner Disco die Nacht um die Ohren zu schlagen. Da sich bei der Wahl des Ortes nicht zwangsläufig immer Einigkeit in einer großen Gruppe finden lässt, teilten wir uns auf. Erheblich dezimiert fuhren wir los, kamen irgendwo an und zahlten Eintritt.

Ihn und mich zog es weg von der Tanzfläche, wir setzten uns gemütlich hin, kamen wieder ins Gespräch. Wir saßen über drei Stunden, sprachen über dies und jenes. Dabei gab ich dann auch zu, dass ich ihn bereits etwas länger süß und nett finde. Mehrfach. Wir saßen nahe, eng beieinander. Eine Freundin berichtete mir später, dass er mich angeschmachtet habe, mich zärtlich am Bein berührt habe, wir süß zusammen gesessen haben.

Effektiv habe ich folgendes von ihm erfahren: Er hat große Angst das Studium nicht zu schaffen, wenn er zu viel nebenher macht. Er hat große Angst nicht volle Akzeptanz genießen zu können an seinem neuen Heimatort. Er hat große Angst, dass er meinen Wünschen und Vorstellungen nicht gerecht wird. Er hat große Angst neben dem Studium keine Zeit für mich aufbringen zu können. Was ich ihm versucht habe zu sagen: Wir haben Zeit, sehr viel Zeit. Meine Aussagen, dass er nett ist und süß aussieht, drängt uns noch lange nicht in eine Beziehung. Ich möchte ihn einfach kennenlernen, wissen, was ihn auszeichnet und meine bisherige Erwartungshaltung ist offen. Und gleichzeitig würde ich mich freuen, wenn es bei ihm auch so wäre. Wir schauen, was wird. Nebenbei habe ich ihm über sein linkes Bein gestreichelt. Ihn auf seine linke Wange geküsst. Mir angehört, dass er sich vorgestellt hat, wie ein Kuss zwischen uns zweien wäre. Als der Morgen bald anbrach, machten wir uns auf den Weg.

Er begleitete mich zur U-Bahn, seine WG lag gute zehn Minuten zu Fuß entfernt. Wir stellten fest, dass meine Bahn noch etwas brauchen würde, er fragte, ob ich mit zu ihm kommen möchte. Im Gegenzug fragte ich ihn, ob er nicht zu mir mitkommen will, damit ich nicht allein fahren muss. Keine wunderbare Begründung, mir stand nicht der Sex im Kopf, ich hätte ihn gern bei mir gehabt, mehr nicht. Es gibt tolleres als den einen Moment. Schließlich fuhr dann kurz darauf meine Bahn ein, wir verließen uns für den Moment und jeder ging seinen Weg.

Nachdem ich mich hinsetzte, hörte ich Musik, schrieb dann eine SMS an ihn: "Eben fand ich es sehr schön mit dir, die Zeit verging wie im Fluge, aber ich habe etwas über dich gelernt. Komm gut heim und hab schöne Tage." Glücklicherweise musste ich nicht zu lange warten auf eine Antwort von ihm. Sieben Minuten später vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche, ich war aufgeregt, las folgende Zeilen: "Hey, bin grad zuhause angekommen, Fand unser Gespräch auch echt gut. Find es auch gut, dass wir es einfach auf uns zukommen lassen. Schlaf gut."

Daheim schlief ich in meinem Bett ein und wurde fünf Studen später durch mein vibrierendes Handy geweckt.

23.12.07 22:40


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